Vereinschronik
Von 1949 bis 1955
Der bisherige Vorsitzender Hermann Kempf, der den Verein mit großem Engagement durch die schwierigen Nachkriegsjahre geführt hatte, kündigte frühzeitig an, sich 1950 aus der Position an der Vereinsspitze zurückziehen zu wollen. In den 36 Jahren des Vereinsbestehens bis dahin hatten vier Männer den Verein geführt. Dieses hohe Maß an Kontinuität wurde durch Kempfs Nachfolger, der in der Mitgliederversammlung am 22.Januar 1950 gewählt wurde, noch gesteigert: Dr.Aloys Bonnertz übernahm den Vorsitz und blieb gut 34 Jahre im Amt.
Auch Hermann Kempff blieb dem VfB als stellvertretender Vorsitzender erhalten. Die weiteren Vorstandsposten besetzten Willy Hoffmann (1.Geschäftsführer), August Kemper (1.Kassierer), Ernst Alzen (2.Geschäftsführer), Karl Mühlon (2.Kassierer), Otto Schneider (Fußballabteilungsleiter), Heribert Michels (Abt.Leiter Leichtathletik), Walter Trinkaus (Jugendleiter) und Josef Müller (Platzwart).
Der umfangreiche Sportbetrieb in den verschiedenen Abteilungen und die wachsenden Erfolge der Aktiven ließen den Wunsch nach einer geeigneten Sportstätte noch aktueller werden. So war der Verein froh, als sich im Herbst 1950 die Gelegenheit zum Kauf eines 4,2 Hektar grossen Geländes von der Fürstin v. Hatzfeldt-Wildenburg ergab. Das Preis für das Areal am Alserberg, das für ein Sportstadion besser geeignet schien als alle bisher ins Auge gefaßten Alternativen, war mit 11.340 DM auch für damalige Verhältnisse sehr günstig. Doch auch dieser Betrag mußte zunächst aufgebracht werden.
Hier kam dem Verein das beginnende Wirtschaftswunder zu Hilfe, das die aufstrebende heimische Industrie in die Lage versetzte, großzügige Unterstützung zu leisten. Die Werksleitung des Weißblechwerkes Wissen, namentlich Generaldirektor a.D. Dr.Karl Grosse, Hüttendirektor Ludwig Patt und Dr. Erich Schauff, griff mit einer Spende ein. Das Walzwerk stand auf dem Höhepunkt seiner Ertragskraft, hatte Ende 1950 über 2.300 Beschäftigte und war somit auch Arbeitgeber der Mehrzahl der VfB-Mitglieder. Ob die Förderung des Stadionbaus aus Firmensicht in Zeiten des beginnenden Arbeitskräftemangels auch eine Maßnahme zur Abwehr konkurrierender Industrieansiedlungen war, wurde seither oft gemunkelt, dürfte aber eher eine Legende sein.
Die Mitglieder beteiligten sich mit einer Umlage in Höhe von 30 DM am Kaufpreis. In Wissen konnte man damals auch Zündholzbriefchen erwerben, von deren Preis ein Pfennigbetrag als Spende für den Stadionbau abgezweigt wurde. Weitere Spenden von privater Seite gingen ein, so daß am 6. September 1950 der Kaufvertrag von Gräfin Ursula v. Hatzfeldt-Wildenburg und Dr. Bonnertz unterzeichnet werden konnte.
Der VfB war damit Eigentümer eines großen Grundbesitzes geworden, Geldmittel für den Baubeginn aber fehlten nach der Zahlung des Kaufpreises fast völlig. Immerhin gewährte der Landessportbund auf Vermittlung Albert Schuhen, dem Vorsitzenden des Handballverbandes Rheinland, einen ansehnlichen Förderbetrag. Auch der Fußballverband Rheinland sagte Unterstützung zu und schlug vor, die Ausführung der gesamten Erdarbeiten in eigener Regie mit eigenem Gerät übernehmen. Als Gegenleistung hierfür verlangte der Verband die Abtretung des Sportbundzuschusses in Höhe von 20.000 DM.
Nach den Plänen des Architekten Hörster beliefen sich die Kosten für den ersten Bauabschnitt auf rund 80.000 DM. Auf die Ausschreibung gaben 13 Baufirmen ein Angebot ab. Eine Düsseldorfer Firma war mit 46.190 DM am preisgünstigsten, das höchste Angebot belief sich auf horrende 102.630 DM. Angesichts dieser Zahlen war der VfB gerne bereit, die Offerte des Fußballverbandes anzunehmen, obwohl erfahrene Baufachleute von diesem Vorhaben abrieten. 20.000 cbm Erde mußten bewegt werden, um dem abschüssigen und teilweise felsigen Gelände die erforderliche Form für das Stadion zu geben.
Die Arbeiten wurden schließlich Ende 1950 in Angriff genommen. Das einzige Baugerät des Fußballverbandes, eine leichte und nicht mehr ganz neue Planierraupe, war den Anforderungen durch die Bodenverhältnisse und die Mengen des zu räumenden Materials aber nicht annähernd gewachsen. Nach den Texten in den quartalsweise erscheinenden Vereinszeitungen scheint auch das Interesse der VfB-Mitglieder an unbezahlten Arbeitseinsätzen auf dem künftigen Stadiongelände trotz flammender Appelle recht schnell erlahmt zu sein. So gerieten die optimistisch begonnenen Erdarbeiten bald ins Stocken und kamen im Laufe des Jahres 1951 ganz zum Erliegen. Die Raupe wurde nach einigen Reperaturpausen, Ortsterminen und Schriftwechseln zwischen VfB-Vorstand und Verband erst zeitweise und dann endgültig abgezogen.
Der Stadionbau erfuhr, abgesehen von kontinuierlichen kleineren Arbeitseinsätzen, eine langdauernde Unterbrechung bis zum Sommer 1953. In dieser Phase trat angesichts der ungeklärten Finanzierung der weiteren Arbeiten und der unerwarteten Schwierigkeiten des Geländes allgemeine Ratlosigkeit ein.
Bewegung in die verfahrene Situation kam erst, als Dr.Karl Grosse, zu diesem Zeitpunkt immerhin schon 80 Jahre alt, erneut die Initiative ergriff. Er stellte einen Ausschuß zusammen, dem neben Mitgliedern des VfB-Vorstandes auch Bürgermeister Paul Schmitz angehörte. Dr.Grosse nahm zudem Kontakt mit dem ihm persönlich bekannten Vorsitzenden des Fußballverbandes Rheinland, Herrn Landgerichtsrat Dr. Menningen, auf. Es kam zu mehreren Gesprächen in Rengsdorf, deren Ergebnis die Wiederaufnahme der Arbeiten im Spätherbst 1953 war. Hierfür stand nicht nur die Planierraupe des Verbandes, sondern auch eine Spende der Hüttenwerke Siegerland in Höhe von 12.000 DM zur Verfügung. Die Gemeinde Wissen stellte auf Grund eines einstimmigen Gemeinderatsbeschlusses den gleichen Betrag unter der Bedingung, daß auch der VfB durch freiwillige Spenden seiner Mitglieder 12.000 DM aufbringen sollte. Eine außerordentliche Mitgliederversammlung beschloß einstimmig, eine Umlage von DM 50,- pro Mitglied zu erheben.
Betriebsleiter Stein von der "Alten Hütte" in Wissen erreichte bei der Erzbergbau Siegerland AG die kostenlose Überlassung von Schotter und Steinen. Willi Böke fuhr in Tag- und Nachteinsatz Tonne um Tonne des wichtigen Drainage- und Packmateriais.
Spontan erklärten sich die Mitglieder des Gemeinderates bereit, ein Fußballspiel gegen die Alten Herren des VfB auszutragen. Das Spiel in der Frankenthal-Kampfbahn im Frühjahr 1954 fand den erhofften Zulauf und erbrachte den Betrag von über DM 1000,- zu Gunsten des Stadionbaues. Der geplante gemütliche Teil im Hotel zum Frankenthal am gleichen Abend mußte auf einen der folgenden Tage verschoben werden. Wie sich Wissens Ehrenbürger Josef Heer (damals CDU-Fraktionssprecher im Gemeinderat) erinnert, war er selbst wie auch die Mehrzahl der nicht mehr ganz jungen Mitspieler zu keinen weiteren Anstrengungen in der Lage.
Die weitere Bauleitung lag in den Händen von Bau-lngenieur Oskar Hallerbach, einem erfahrenen Fachmann. Geschäftsführer Willy Hoffmann und sein Stellvertreter Ernst Alzen sorgten für die reinungslose Abwicklung der Finanzierungs- und Baumaßnahmen. Auch Amtsbaumeister Genüg und seine Mitarbeiter gewährten ihre volle Unterstützung. Die heimische Industrie stellte wiederholt Materialspenden und kostenlose Arbeitskräfte zur Verfügung.
Die restlichen Arbeiten wurden schließlich einer Baufirma übertragen, nachdem der völlig verregnete Sommer 1954 trotz deutlicher Baufortschritte die termingemäße Fertigstellung des Stadions nicht zugelassen hatte. Fast täglich trafen sich Mitglieder zum freiwilligen Arbeitseinsatz im neuen Stadion, dessen Gesicht nun schon zu erkennen war. Die Vereinszeitung vermerkte hierzu: "Es geht voran am Alserberg. Wir nähern uns dank gemeinsamer Anstrengungen dem Ziel mit großen Schritten. Bei aller Freude über den großen Einsatz vieler Helfer bleibt aber kritisch anzumerken, daß es stets die gleichen Mitglieder sind, die sich durch vorbildliche Arbeit auszeichnen, während manch andere abseits stehen und außer Zweifeln und Unkenrufen nichts beitragen."
Trotz aller Probleme konnten die Arbeiten schließlich im Sommer 1955 abgeschlossen werden. Unter Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste aus Sport und Politik fand am 7.August 1955 die feierliche Einweihung des Stadions statt. Namenspatron Dr.Karl Grosse, ohne dessen Einsatz die Anlage undenkbar gewesen wäre, hielt die Festansprache. Rund 10.000 Zuschauer auf den vollbesetzten Rängen sahen das Eröffnungsspiel zwischen den Erstligisten Eintracht Frankfurt und Bayer Leverkusen, dem sich eine ganze Woche hervorragend besuchter sportlicher Veranstaltungen im neuen Stadion anschloß.
Die Nachkriegszeit: 1945 bis 1949
Von 1955 bis ??? (im Aufbau)
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